Kategorie der abstrakten: Philosophie


und je mehr Nachfrage nach diesen Werkzeugen besteht, desto größeren Schaden können sie anrichten - nicht nur in China. An Chimäre und die Übertragung von menschlichen Embryos in Tiere zum Austragen möchte ich hier gar nicht denken. Das ist nur die "konsequente und logische Weiterführung der Forschung", um mit Hall-Stillman zu sprechen.

Und in unserer Zeit mit Emanzipation, Hektik und Selbstverwirklichung scheint es ja sowieso viel zu lästig, ein Kind noch selber zur Welt zu bringen. Ich kritisiere nicht die Emanzipation an sich, sondern verschiedene 40jährige Frauen, die noch schnell ein Kind zur Welt bringen wollen, weil ihnen "diese Erfahrung noch fehlt".

Kritik der möglichen Anwendungen

Die zweite Möglichkeit der Kritik bietet die Reflektion über die Anwendungsformen: Wie schon angesprochen, schafft man sich mit Knochenmarksspendern "lebende Ersatzteillager". Die Würde der Menschen, die nach unserem Grundgesetz eigentlich "unantastbar" sein sollte, wird hier empfindlich verletzt. Kantisch gesprochen ist das Kind nur Mittel, kein Zweck mehr. Wer würde schon gerne erfahren, daß der einzige Grund für die Existenz auf Erden die Schwester oder der Bruder war?

Ist es tatsächlich ein "Leiden" im medizinisch-pathologischen Sinne, wie das Forscherpaar meint, wenn eine Ehe kinderlos bleibt? Bleibt hier nicht vielleicht auch die Möglichkeit der Adoption, mit der Kindern ohne ein Heim eine Familie gegeben wird?

Aus einer utilitaristischen Sichtweise könnte man á la Singer sicherlich die eine oder andere Anwendung noch legitimieren. Doch scheinbar kennen viele Wissenschaftler und Mediziner keine Grenzen mehr: Täglich liest man neue Meldungen in der Zeitung, wie zum Beispiel die Verpflanzung von Zellen abgetriebener Föten in Menschen.

Schluß

Schon bei nur oberflächlicher Betrachtung wirft das Experiment also viele ethisch-moralische Probleme auf. Daß Hall-Stillman für ihren Versuch keine derartige Verantwortung übernehmen wollen, wirft ein schlechtes Licht auf die Wissenschaftler. Das zeigt, daß die Gesellschaft regen Anteil an einer Diskussion über die neuen Techniken haben muß. Auch im Sinne der Wissenschaftler, denn ernsthafte Biotechniker haben kein Interesse daran, daß durch biochemische Hirngespinste das Vertrauen der Bevölkerung in Technologien, die beispielsweise viele Krankheiten heilen können, auf ein Minimum reduziert wird.

O Wunder!
Was gibt's für herrliche Geschöpfe hier!
Wie schön der Mensch ist! Schöne neue Welt,
Die solche Bürger trägt!
(Shakespeare: Der Sturm; im Vorwort von Brave New World zitiert)

QUELLEN

  1. Aldous Huxley, Schöne neue Welt, Fischer, ungekürzte Ausgabe in der revidierten Übersetzung von 1981

  2. Christine Gorman, "Brave New Embryos", TIME Magazine, August 29, 1994

  3. Jill Smolowe, "All for One?", TIME Magazine, September 11, 1995

  4. "To Clone or Not to Clone?", TIME Magazine, November 8, 1993

TIME ist erreichbar unter http://pathfinder.com.



Яндекс.Метрика