Kategorie der abstrakten: Deutsch


Niedergang des Reiches hatte sich bereits im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts abgezeichnet und wurde durch den Krieg nur verschärft der Rückgang des Gewerbes wie vor allem des Bergbaus war wahrscheinlich verknüpft mit der Verlagerung des ganzen okonomischen Schwerpunktes und des internationalen Handels, von dem insbesondere Süddeutschland profitiert hatte, vom Süden nach Norden. Der Wiederaufbau des Landes verlangte nach staatkichem Schutz und zentraler staatlicher Planung, wodurch die Entwicklungzum neuzeitlichen Territorialstaat absolutistischer Prägung beschleunigt wurde. Allerdings kamen auch hier Entwicklungen zu einem Abschluß, deren Beginn weit vor 1618 lag.


Trotz allerAuflösungserscheinungen behielt das Reich eine gewisse politische Bedeutung als Rechtsverband und lockerer Rahmen für die Vielfalt seiner staatlichen Gebilde und blieb ein wesentlicher Bestandteil des europäischen Staatensystems. Über den Kaiser blieb es aber im französisch - habsburgischen Gegensatz und Konflikt einbezogen. Durch die Beschränkung des Hauses Habsburg auf seine österreichischn, ungarischen und böhmischen Stammlande - sieht man vom Kaisertum ab - richtete es seine politischen Interessen auf Dauer nach Südosten. Neben dem überkonfessionelen Staatsraisondenken, das nun eine geschickte Diplomatie und Bündnispolitik verlangte, setzte sich auch die Idee eines Gleichgewichts der Mächte durch.


Der Dreißigjährige Krieg unterband viele kulturelle Entwicklungen, doch auch die sogenannte geistige Armut Deutschlands im 17. Jahrhundert war keine unmittelbare Folge des Krieges. Im Gegenteil, während gerade in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts das intellektuelle Leben unter dem Druck reformatorisch - gegenreformatorischer Auseinandersetzungen zu verkümmern schien, erlebte das künstlerische, literarische und wissenschaftliche Deutschland eine beträchtliche Blüte (Schütz, Grimmelshausen, Gryphius, Böhme, Kepler) So stellte der Dreißigjährige Krieg jedenfalls keinen Bruch, weder in der kulturellen, ökonomischen noch politisch - staatlichen Entwicklung dar. Prozesse, deren Anfänge weit ins 16. Jahrhundert hineinreichten, erlebten maximal eine Verhärtung oder Beschleunigung, wie z.B. die Säkularisierung von Politik und Staat, das Unabhängigkeitsbestreben deutscher Territorien von der kaiserlichen Vormachtstellung und die hegemoniale Stellung Frankreichs auf Kosten Spaniens.



Quellennachweis:


Brockhaus Enzyklopädien / F. A. Brockhaus Leipzig - Mannheim Band 3, 4, 5, 7, 9, 11, 13, 14, 16, 18, 22, 23, 24


Stephan Vajda: Felix Austria - Eine Geschichte Österreichs / Ueberreuter - Wien


Richard van Dülmen: Weltgeschichte - Entstehung des frühzeitlichen Europa 1550 - 1648 / herausgegeben von Richard van Dülmen



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