Kategorie der abstrakten: Philosophie


Behnken, drohte diese Erwartungen zunächst zu enttäuschen.
Die erste Frage, "wie jung ist die junge Welt?" zielte auf eine genaue Standortbestimmung im Bezug auf die von uns vorausgesetzte Zielgruppe Jugendliche und Jungerwachsene. Der Name junge Welt, so Behnken, sei weniger Programm, als eine Art halbwegs gut eingeführtes und bekanntes Markenprodukt. Eine neue Tageszeitung zu gründen sei nahezu undenkbar, "daran ist schon Augstein gescheitert", einzig der taz sei das Unmögliche gelungen, doch die Zeit ihrer Gründung war eine ganz andere als die heutige. Im Übrigen seien die von der jungen Welt vertretenen linken Positionen nicht eine Frage des Alters. Jugendlichkeit tauche eher als grobe Orientierung auf: "Möglichst respektlos" wolle die junge Welt inhaltlich sein und "locker" in der Form. Wir forschten weiter: Wie das mit der Pleite und dem Weitermachen danach war, wollten wir wissen. Da , so Behnken, hagelte es Leserbriefe, gab es in der Volksbühne eine sehr erfolgreiche Veranstaltung für die junge Welt, wurden landesweit Unterstützergruppen aktiv, die überwiegend aus jungen Leuten bestünden. Was sagt denn die Abonnentenkartei zur Altersstruktur der Leserschaft, fragte mein damaliger Coautor Felix Steinbild. Die Leserschaft teile sich in zwei Gruppen, die Lesergruppe der 40-bis 50-jährigen mache ca. 30 bis 40 Prozent aus und hält der jungen Welt seit FDJ-Tagen die Stange oder gar seit der Gründung 1947, ihr Anteil ist seit der politischen Radikalisierung der Zeitung allerdings am sinken, bei den 30 bis 40-jährigen klafft ein Loch in der Statistik, den Hauptanteil der Leserschaft bilden junge Leser im Alter zwischen 17 und 30 Jahren, Tendenz steigend. Diese Gruppe war es auch, welche sich am nachhaltigsten für den Erhalt der Zeitung engagierte, "so schlecht sie auch ist, so viele Fehler sie auch hat."(Behnken)
Das waren unerwartete Ergebnisse: Obwohl es die junge Welt nicht darauf anlegt, gerade junge Menschen anzusprechen, scheint sie ein gerade bei dieser Lesergruppe bestehendes Bedürfnis zu treffen.Die junge Welt im Rahmen der Thematik "Jugend und Medien" aufarbeiten zu wollen - das hatte dieses Gespräch ergeben - erforderte eine neue Fragestellung. Um die Affinität zu verstehen, die sich aus einer politisch radikalen Positionierung ergeben und spezifischen Eigenschaften von "Jugendlichkeit", bot sich folgendes Untersuchungsgebiet an:

1.2. Das Untersuchungsthema

Die Bestimmung der Selbstwahrnehmung als "Außen" soll als "mentales Konzept Jugend" herausgearbeitet werden und zunächst bezogen werden auf Jugendkultur und Subkultur. Dieses Modell des "Außen" soll in einem zweiten Schritt auf die Junge Welt übertragen werden, um über ihre inhaltliche Positionierung ihr Selbstverständnis zur Medienrolle der "vierten Gewalt" zu analysieren. Das Außen soll quasi als Standort für die Möglichkeit kultureller wie journalistischer Erkenntnisgewinnung untersucht werden. Ferner möchte ich die Prozesse schildern, die auf die Integration der im Außen entstandenen Diskurse in die Hauptkultur zielen.

1.3. Warum in die Tiefe gehen?

"Junge, wer mit zwanzig kein Anarchist gewesen ist, aus dem wird nie ein guter Demokrat", sangen FSK [1] im "Blue Yodel für Herbert Wehner" und verwiesen auf das, was mein linker Englischlehrer einst als "Diagonalkarriere" bespöttelte: Ein "von links unten, nach rechts oben." verlaufender Verfall eines rigiden Moralismus zugunsten eines kleine-Brötchen-backenden Realismus. Im Jugendalter neigt der Mensch zur Rigidität und Radikalität und liest dann eben vermehrt Blätter vom Schlage der jungen Welt. Na und? Mit dieser ebenso richtigen wie oberflächlichen Erklärung möchte ich es nicht bewenden lassen. Jugendliche Radikalität und Rigidität, das erwähnte "mentale Konzept Jugend", sollen tiefergehend analysiert werden. Als zentrales Erlebnismoment von Jugend setze ich deren Status des "Außen", im Verhältnis zur diskursbestimmenden Hauptkultur der Erwachsenengeneration, deren Gesetzgebung und Geschichte, Ideologien und Ideale und deren Medien. Über dieses Außenverhältnis soll ebenfalls am Beispiel der jungen Welt, deren Verhältnis zu anderen Medien und der 4. Gewaltrolle, die



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