Kategorie der abstrakten: Philosophie


strukturelle Affinität zur Jugend herausgearbeitet werden. Über die Analyse des Außenverhältnisses soll ein Verständnis von Jugendidentität, Jugendkultur, Jugendmedien bzw. Jugendbezug von Nicht-Jugendmedien entwickelt werden. Nach dieser Abfolge sind auch die folgenden Kapitel gegliedert.



2. Das Außen von Jugendidentität und Jugendkultur

Jugendkultur, als gesonderter Teil der Hauptkultur, ermöglicht für den Jugendlichen u.a. Identitätsfindung. Hinter der Aussage "Ich bin ein Mod/ Raver/ Jungelist/ Houser etc." oder "Ich steh in letzter Zeit total auf Goa/ Deep House/ dieses britische Gitarrenzeug" steht, wenn nicht der Anschluß an eine durch Musik verkörperte Lebens- und Erlebnisweise, so doch eine ebenso schwer begründbare, wie doch sehr ernste Emphase für die durch Musik produzierten Zeichen und Bedeutungen. Eine aus einem jugendkulturellen Zusammenhang entstandene Identität interpretiere ich als eine Kategorien produzierende Denk- und Erlebnisweise, die ihrerseits Antworten und Verortungen auf Fragen der typisch jugendlichen Sinnsuche bereithält. Aus dieser Eigenpositionierung entsteht eine Handlungsweise und aus dieser Handlungsweise eine Geschichte des jeweiligen Ichs, und aus allem eine Identität zu nennende Gesamtheit. Jugendkultur ist ein Weg der Identitätsfindung unter vielen. Ich begreife Jugendkultur als sich ständig veränderndes Medium, auf welches sich in unterschiedlichem Ausmaß ein Teil der Jugendlichen bezieht. Bezieht sich ein Jugendlicher nicht auf Jugendkultur, so ist diese Verweigerung ihrerseits eine Positionierung (klassisch vielleicht im Typ des Pollunder-tragenden "Nerds" konfiguriert) die das, was in der Jugendkultur mitschwingt, - aus welchen Gründen auch immer - nicht teilen mag und sich z.B. einer Technikkultur anschließt und dann ständig mit Zahlen um sich wirft.
Die Notwendigkeit oder die allgemeine Tendenz jugendlicher Menschen, sich bei der Identitätsfindung in positiver oder eben abgrenzender Weise auf Jugendkultur zu beziehen, entsteht aus einem mit der Industrialisierung eingesetzten und sich seit dem beschleunigenden Verfall von Traditionen, feststehenden Rollenbildern, Systemen zur Welterklärung (ableitbar aus den Disziplinen Religion, Philosophie, Physik usw.). Mit dem Auf- und Niedergang von Industriezweigen, Regierungen und Wirtschaftssystemformen, dem Um- und Abbau des Sozialstaates entsteht ein wildes Durcheinander und mit diesem ein, auf jeweilige Situationen bezogener Zeitgeist, aber eben kein auf Transzendentalien verweisendes System der Welterklärung und Moral. Mit einem bündigen "anything goes" faßte Paul Feyerabend dieses Problem der Erkenntnistheorie zusammen und zersplitterte damit die Möglichkeit zur Verortung in ein allgemein als verbindlich voraussetzbares Erklärungsmodell.Wohlgemerkt: Diese Notwendigkeit zur Konstruktion steht als Option im Raum, sie aufzugreifen ist aber eher Sache von Minderheiten. Die Mehrheit übernimmt fertige Sinnsysteme, kümmert sich um all das nicht, bezieht Identität aus der Sicherheit einer sozialen und beruflichen Position. Für die in und um Jugendkultur entstehende Ästhetik, Philosophie, allgemeine Denk- und Lebensweise aber ist die Beantwortung solcher Fragen zentrales Moment. Fend schreibt: daß der moderne okzidentale Rationalismus gleichzeitig Ansprüche provoziert und ihre Verwirklichung erschwert: Es sind dies insbesondere Provokationen und Ausblendungen von Ansprüchen an Autonomie, Sinnerfüllung und Selbstentfaltung, von Ansprüchen sozialer Gerechtigkeit und Brüderlichkeit, aber auch von Ansprüchen an Erleben, an Glück, an Akzeptanz und auch an Irrationalem, deren Pflege zu neuen Kulturen der Lebensführung in verschiedenen Sektoren der Gesellschaft, insbesondere auch bei Jugendlichen geführt haben. Das wichtigste Spannungsmoment ist jenes zum Individualisierungsschub, also zur sozialhistorischen Entfaltung der Autonomie der Person , die der okzidentale Rationalismus selbst mitgestaltet hat." [2]
Verstärkend wirkt sich in dieser Situation der Sinnsuche aus, daß der Jugendliche noch nicht "im Leben" steht, oft über Schonzeit und damit Denkzeit verfügt, die an einem Platz "im System"



Яндекс.Метрика