Kategorie der abstrakten: Philosophie


gebundenen Regeln noch nicht bei Strafe des Rausschmisses zu akzeptieren hat. In dieser Position entsteht ein häufig von Mißverständnissen durchwachsener und in Fragen der Bewertung gern undifferenzierter Blick auf die durch die Erwachsenengeneration zu verantwortende Welt. Diesem gleichermaßen aus Außenperspektive und Erfahrungsmangel entstandenen Rigorismus möchte ich bei allen Mißverständnissen zugestehen, zu durchaus fundierten und der historischen Rückschau standhaltenden Bewertungen zu kommen. So entzündete sich der erste große Generationenbruch der Nachkriegsgeschichte an der an Völkermord grenzenden Kriegsführung der USA in Vietnam. Mit Langstreckenbombardements auf ein Bauernvolk diskreditierte sich ein ganzer Wirtschafts-, Politik- und Kulturzusammenhang. Mit all dem nichts zu tun haben zu wollen und doch nicht tatenlos zusehen dürfen, wie es noch die Elterngeneration der 68er während des Faschismus tat, trieb die, die die Sinnfrage stellten auf die Barrikaden, in den Untergrund oder, als Guerilleros des Geistes, durch die Institutionen.Vor diesem Hintergrund ist Sinn, sind Fragen der Ethik, Entscheidung über Lebensziele und eben Identitäten immer individuell und stets neu zu konstruieren. Jugendkultur in all ihren Fraktionen werte ich als ein wichtiges Bezugssystem für diese Konstitution. Ihrerseits bezieht sich Jugendkultur auf Philosophien, Ästhetiken, Literatur, die lange vor und / oder außerhalb des jeweiligen jugendkulturellen Kontextes entstanden oder Traditionslinien begründeten, in der jeweiligen geschichtlichen Situation aber als kompatibel erscheinen. Insofern werden durch Jugendkultur Philosophien auf ihren lebensweltlichen Ursprung rückübertragen und dadurch getestet. Abstrakt und Zeitenübergreifend gesprochen, verbinden sich Sinnfrage und Außenperspektive zu a) rigiden moralischen Urteilen b) Utopischen Modellen eines besseren Zustandes c) Vorstellungen von Wegen diesen zu erreichen. Dies mag für eine Protestgeneration, eine politisierte noch dazu, so zutreffend sein, aber wie verhält es sich mit apolitischen Generationen wie in den 50er Jahren, der Yuppiekultur der 80er, den "Friede, Freude, Eierkuchen" feiernden Ravern der 90er? Ist nicht überhaupt Jugendkultur letztlich als Innovationspool für die Werbe-, Textil-, Musikindustrie zu verstehen? Kommt dem bißchen immer wieder aufflammenden Protestlertum nicht eher die Rolle zu, nach Art des Durchlauferhitzers eine politisierte Öffentlichkeit zu schaffen?

Beide Ansätze sind, wenn auch auf den ersten Blick gegensätzlich, zwei Seiten derselben Medaille. Einem differenzierteren Blick auf Ursprünge und eventuellen Protest und Utopiecharakter von Jugendkulturen möchte ich als zentrale Wahrnehmungskategorie von Jugendlichen, deren Aussenverhältnis zur diskursbestimmenden Kultur der Elterngeneration setzen. Davon ausgehend soll dem durch Medien vermittelte Übergang von Zeichen, Codes und Ideologien der Jugendkulturen in die Produktions- und Ideologiesphäre der Hauptkultur nachgegangen werden.

2.1. Zeichen und Außen

Durch welches Medium findet Jugendkultur am signifikantesten zu sich selbst? Was ist der Kult an der Jugendkultur? Was fordert Reaktionen ein, seien sie positiv, negativ oder pures Unverständnis? Musik, genauer gesagt das weite Feld der Popmusik. Jugendliche können Film-, Comic- oder Computerfans sein, im Skateboard die einzige Möglichkeit sehen, sich unentfremdet fortzubewegen, den Schrank voller Bach- und Beethooven-Tonträger haben oder davon überzeugt sein, durch Thomas Mann den höheren Weihen der deutschen Kultur teilhaft zu werden. Wenn man aber in der Zurückschau fragt: "Wie fühlten sich die 70er von innen an", dann erklingt ein Sound der Zeit: Es fängt immer mit einer Faszination an: der Kraft der Musik, Gefühle zu fokussieren, in einem ästhetischen Gefüge Befindlichkeiten Plastizität zu verleihen." [3]

Wenn Musik ein so zentrales Medium ist, ein Lebensgefühl zum Ausdruck zu bringen und das Außenverhältnis der Standpunkt des Jugendlichen für seinen Blick auf die Welt ist, dann wäre es



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