Kategorie der abstrakten: Philosophie


Philipp Gmür,

Jg. 1, Gr. 2.


Zum Wesen der Mystik

Die Entstehung der deutschen Mystik ist mit dem Untergang des Rittertums ,mit der langsamen Entwicklung der städtischen Kultur und mit der Krise der zwei damaligen Mächte: des Papst- und des Kaiserreiches. Die hierarchisierte Kirche löst Widerstand beim Sektierertum und häretischen Bewegungen aus, die eine radikale Reform des religiösen Lebens anstreben, und schürt die Unzufriedenheit bei einer großen Anzahl Gläubiger. Die Rolle des religiösen Erfahrens geht verloren, der Glaube verliert evangelische Einfachheit zu bedeuten. Die hervorragenden Errungenschaften der Scholastik verlieren an Bedeutung und werden zu exklusiv, um den Geist der Gläubigen zu nähren und zu beleben. Das große Bedürfnis für religiöse Erfahrung findet bei den von bestimmten Gruppen verkündeten Ideen und Prinzipien, die für alle verständlich sind, seine Befriedigung. In dieser Zeit der Krise, des Zusammenbruchs des bestehenden Weltbildes und der Ungewissheit des Morgens (Kriege, Erdbeben, und der angekündigte Weltuntergang) wird die Mystik ein Mittel zur Erlösung von der dramatischen Gewissheit, zur Vereinigung von Mensch und Gott und erlaubt es Göttlichkeit zu atmen, die sich im Herzen befindet1. Es werden drei Vorrausetzungen für das mystische Erleben genannt: die Reinigung, die Erleuchtung und die Vereinigung. Bei der Ersten muss man sich von den Sünden befreien, sich von Versuchungen und Bindungen lösen, und eine heilige Gleichgültigkeit erreichen. Die Zweite soll das Überlegen verursachen, denn das führt zum Verstehen. Dabei fängt man an alles besser zu verstehen und zu begreifen. Die Dritte und letzte Vorrausetzung, also die Vereinigung, ist dann erfüllt, wenn der Mensch in Gott lebt, und Gott im Menschen. Damit wird eine komplette Vereinigung der Seele mit Gott gemeint und es erfolgt eine Einswerdung. Das Wesen der Mystik wurde unterschiedlich beschrieben und erklärt. Deswegen sind verschiedene Werke entstanden, die sich in gewisser Hinsicht Ähneln und anderer Unterscheiden.

Das Werk Meister Eckharts erlebte in seiner Geschichte zahlreiche ideologische Vereinnahmungsversuche: So soll es u. a. ein Wegbereiter der Reformation, des deutschen Idealismus und Ähnliches gewesen sein. Unbestritten ist jedoch, dass Eckhart zu den wichtigsten Autoren des Mittelalters gerechnet werden muss. Auf eine nüchterne, geordnete, rationelle und logische Weise nimmt Eckhart dem Menschen die Daseinsangst und führt ihn in die Wesentlichkeit zurück, sofern er Gott gehören will und nicht sich selbst. Um zur



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