Kategorie der abstrakten: Philosophie


naturkundlichen Schriften. Hildegard wurde blitzartig von einem strahlenden Licht getroffen und eine Zwingende innere Stimme sagte ihr: "Schreibe auf, was du siehst, und sage, was du hörst!". Sie war eine Prophetin und vermittelte zwischen Mensch und Gott. Ihre Predigten und Briefe sollten die Menschen auf den rechten Weg zurückbringen und belehrten über eine korrekte Lebensweise und gottesgefällige Haltung. Der Sinn ihrer Handlungen war es, die Menschen zu einer Vertiefung des Glaubens zu verleiten. Die Mystik der Hildegard von Bingen beruht auf der Verbundenheit mit der christlichen Kirche und ist das Resultat ihrer inneren Erfahrungen über das Übernatürliche, welches ihr ganzes Leben begleitet hat. Die von ihr beschriebenen Erlebnisse beruhen auf eigener Erfahrung und sind voll von Gefühlen. Das ist der erste bedeutende Unterschied im Lebenswerk von Hildegard von Bingen und demjenigen von Meister Eckhart. Die Werke von Eckhart sind rein theoretisch, während jene von Hildegard alle auf praktischem Erleben beruhen. Mystik sucht durch Versenkung in Form von Ekstase, Rausch und Meditation die Trennung zwischen dem menschlichen Ich und dem göttlichen Sein. Das Ziel dieser Handlungen ist meistens die Vereinigung, was als höchste Form der Frömmigkeit angesehen wird. Mit dem aufblühen der Universitäten, an denen Frauen nicht zugelassen waren, kam es zu einer allmählichen Trennung zwischen den beiden Großgruppen der mehr Philosophisch, spekulativ – theoretischen Mystik einerseits und der affektiv – emotional ausgerichteten Mystik als Lebensvollzug bei Frauen anderseits. In den Visionen der Hildegard von Bingen wird klar, dass die Welt eine vielschichtige Schöpfung in ständiger Weiterentwicklung ist. Die Welt ist auf den Menschen ausgerichtet und ihm zum verantwortlichen Umgang übergeben. Danach umfasst Gott alles, denn Er ist das Ganze, weil das Ganze sein Werk ist. Der Mensch soll das Irdische pflegen, darf aber nicht das Göttliche vernachlässigen. Hildegard von Bingen schreibt, dass der Mensch neben dem Wissen über Gut und Böse auch Gottesfurcht und Gottesliebe in sich trägt. Ihrer Meinung nach ist der Mensch von Natur aus gut, aber nicht jeder kann die gewisse Einheit mit Gott erreichen, denn das können nur die Auserwählten. Das ist der zweite bedeutende Unterschied zwischen Hildegard von Bingen und Meister Eckhart.

Hildegard schreibt „Die Gesichter aber, die ich schaute, empfing ich nicht im Traum, auch nicht im Schlafzustand oder im Wahn, nicht mit den körperlichen Augen oder den Ohren des äußeren Menschen, ebenso wenig empfing ich sie an abgeschiedenen Orten, vielmehr nahm ich sie im Wachzustand und aufmerksam bei klarem Geist mit den Augen und Ohren des inneren Menschen an allgemein zugänglichen Orten nach dem Willen Gottes entgegen.“5. Mit diesen Worten will sie betonen, dass ihre Werke im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte und nicht



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