Kategorie der abstrakten: Philosophie


Einstellung durch die Geisteswissenschaften zu kompensieren. Der naturwissenschaftliche Prozess ist nicht zu bremsen, wir können ihn nicht ignorieren, aber wir können ihn ausgleichen. Es wäre eine Möglichkeit, die Geisteswissenschaften zu fördern, um die sogenannten Modernisierungsschäden der Naturwissenschafen aufzufangen.


Eine weitere Frage ist, ob die Wissenschaftler in der Lage sind, abzusehen, welche Auswirkungen ihre Forschungen haben, und wenn sie dies sehen, die Konsequenz daraus zu ziehen. Es kommt darauf an, daß die einzelnen Wissenschafter sich bewußt sind, daß sie denselben moralischen Prinzipien und Forderungen unterliegen wie jeder Mensch. Wissenschaftler wissen heute im Großen und Ganzen wie wichtig Ethik und moralische Anforderungen auf ihrem Gebiet sind. Doch "durchschnittliche" Naturwissenschaftler sind gar nicht in der Lage, auch nur alle Auswirkungen auf ihrem eigenen Fachgebiet zu erblicken, geschweige denn, die soziologischen und ökonomischen Implikationen, und das wäre auch eine absolute Überforderung. Sie können sich nur darauf verlassen, daß ihnen bei der Entscheidung, wie ihre Entdeckungen anzuwenden sind, geholfen wird. Schließlich sind Wissenschaftler ganz normale Menschen mit Schwächen, Vorurteilen, eigensüchtigen Interessen und politischen Überzeugungen. Es genügt nicht, von ihnen zu verlangen, sie sollten ethisch verantwortlich entscheiden, ja es ist ihnen gegenüber sogar eine Zumutung, ihnen eine solche Verantwortung alleine aufzuerlegen. Es ist wichtig, die Wissenschaft von außen zu kontrollieren, denn sie kann nicht soviel, wie oft angenommen wird.


Heinar Kipphardt nahm die Frage nach der Verantwortung des Wissenschaffters auf. In seinem Dokumentarstück "In der Sache J. Robert Oppenheimer" geht es ihm nicht um den exakt wiedergegebenen Einzelfall, sondern um das Exemplarische des Falls. Der betroffene Oppenheimer protestiert vergeblich in einem Brief an den Autor, gegen die Position, die Kipphardt ihm in seinem Diskussions-Stück einnehmen läßt. Kipphardts Sicht der Problematik ist in einem Schlußwort enthalten, das der amerikanische Atomphysiker Oppenheimer tatsächlich niemals gehalten hat. Darin fragt sich Oppenheimer, "ob wir den Geist der Wissenschaft nicht wirklich verraten haben, als wir unsere Forschgsarbeiten den Militärs überließen, ohne an die Folgen zu denken." Und er fragt sich, Zitat: "ob wir Physiker unseren Regierungen nicht zuweilen eine zu große, eine zu ungeprüfte Loyalität gegeben haben". Oppenheimers Lösung - der Rückzug auf die "reine Forschung" - ist keine Lösung: Die Verantwortung des Wissenschafters endet nicht bei seinen Forschungsergebnissen; sie erstreckt sich auch auf den Bereich der praktischen Anwendung; er hat jedoch nicht die Macht, einen Mißbrauch seiner Erkenntnisse zu verhindern.

"Ich forsche und schere mich den Teufel um das, was herauskommt. Der Mythos der Wertfreiheit der Wissenschaft hat



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